75 Jahre Sportkreis Pforzheim Enzkreis

Es währte vergleichsweise kurze Zeit nach jenem historischen Donnerschlag vor Ende des Zweiten Weltkrieges, bis sich innerhalb der Sportlandschaft wieder verantwortungsbewusste Männer zu einem Neuaufbau entschlossen: Major Raymond Lascoe, Gouverneur der amerikanischen Alliierten, sowie der damalige Landrat Richard Dissinger gaben dem in den 1920er und 1930er Jahren überragenden Leichtathlet Karl Stahl die Einwilligung, eine neue regionale Dachorganisation des Sports aufzubauen. Ein „Sportausschuss“ mit Turner Erich Wentz, mit den Fußballern Max Müller und Fritz Wetzel, mit dem für Rugby zuständigen Ossi Burghardt sowie mit Erich Kober, den später im Tischtennis tätigen Funktionär, hatte hierfür Vorarbeit in den Ruinen des alten Emma-Jaeger-Bades geleistet: Am 1. April 1946 wurde der Sportkreis Pforzheim ins Leben gerufen, welcher zu Beginn 68 Vereine mit 7 577 Mitgliedern umfasste.

Innerhalb zurückliegender 75 Jahre übernahmen nach Stahl lediglich fünf Persönlichkeiten die Verantwortung an der Spitze der später in Sportkreis Pforzheim Enzkreis umbenannten Organisation – Sinnbild von Kontinuität in führender Position. Dem von 1946 bis 1976 amtierenden Karl Stahl folgte mit Rudi Trautz von 1976 bis 1992 ein Vorsitzender, der zuvor den VfR Pforzheim angeführt hatte. Zu dessen Nachfolger von 1992 bis 2000 wurde Tischtennis-Pionier Gerhard Görlich gekürt. Nach kurzer Verweildauer von 2000 bis 2002 in führender Sportkreis-Position wurde Claus Hübner hernach durch Gerhard Drautz (2002 bis 2010) abgelöst. Und in die Fußstapfen des vormaligen Bürgermeisters von Kieselbronn trat dann 2010 erstmals eine Frau: Gudrun Augenstein aus dem Lager der Turner. Sie hatte zuletzt 2019 beim Sportkreistag in Neulingen-Bauschlott erneut – einstimmig - das Vertrauen der Delegierten für eine dritte Amtsperiode erhalten.

Für die in Niefern-Öschelbronn wohnende Pädagogin hat sich samt Mitstreitern das Aufgaben-Spektrum gegenüber früheren Zeiten erheblich gewandelt. Nachdem der Sportkreis vor 15 Jahren mit 80 000 Mitgliedern den Höchststand erreicht hatte, wurden gegen Ende 2020 dann 76 700 Mitglieder in 262 Vereinen gezählt. Verändert hat sich des Weiteren der Standort des Sportkreis-Büros: Nach Start in Räumen einer Schmuckfabrik in der Pforzheimer Nordstadt hat die regionale Dachorganisation nach dreimaligem Umzug nun in der Durlacher Straße ihren Sitz.

Seit etlichen Jahren organisiert und unterstützt der Sportkreis Projekte und Veranstaltungen mit unterschiedlichen Kooperationspartnern und Zielen. In den frühen Jahren waren es der Ball des Sports als gesellschaftliches Großereignis oder der Schmuckstädte-Sportvergleich mit Idar-Oberstein, Hanau und Schwäbisch Gmünd, oder auch die Städtepartnerschaften – vor allem mit St. Maur. Heute sind es zur Stärkung der Region Nordschwarzwald die Sportkreisvergleichswettkämpfe in diversen Sparten mit den Kreisen Calw und Freudenstadt. Zu den alljährlichen Events gehören zudem die Sportlerehrung und die Verleihung des Sportförderpreises durch die Sparkasse Pforzheim Calw.

Mit eigenen Projekten wie „Sport hilft“, „Pforzheimer Kids auf Schwimmkurs“, „Fit in die Grundschule“ oder etwa die „Pforzheimer Bolzplatzliga“ ermöglicht der Sportkreis Kindern und Jugendlichen aus allen sozialen Schichten und mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen einen Zugang zum Sport. Besonders die Bewegungsförderung der Jüngsten hat in der Arbeit des Sportkreises einen hohen Stellenwert. Daher organisiert der Sportkreis, gemeinsam mit der Stadt Pforzheim und den Vereinen, mehrmals im Jahr Bewegungstage für Kindergärten und Grundschulen.

Zum mittlerweile veränderten Aufgabenbereich des 75 Jahre alten Sportkreises Pforzheim Enzkreis gehört darüber hinaus die Vereinsberatung und Unterstützung, denn die Sportlandschaft unterliegt einem grundsätzlichen Wandel, geprägt von gesellschaftlichen Veränderungen und Megatrends, die auch Auswirkungen auf die Zukunft der Sportvereine haben.